Gesundheitsforschung

In der Gesundheitsforschung ist Bayern besonders stark. Die sechs Universitätsklinika im Freistaat forschen auf internationalem Spitzenniveau. So wurde der renommierte Leibniz-Preis in den vergangenen Jahren wiederholt an bayerische Gesundheitsforscherinnen und -forscher vergeben, zuletzt 2025 an Prof. Dr. Maria-Elena Torres-Padilla (Professorin für Stammzellbiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München) und Prof. Dr. Daniel Rückert (Alexander von Humboldt-Professor für KI in der Medizin an der Technischen Universität München). Die Medizinischen Fakultäten sind an zahlreichen Forschungsprojekten und an anderen Forschungseinrichtungen beteiligt. Hinzu kommen herausragende Forschungsaktivitäten an außeruniversitären Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum München und mehreren Max-Planck-Instituten (MPI für Biologische Intelligenz, MPI für Biochemie und MPI für Psychiatrie). Durch die Gründung der Stiftung M1-Munich Medicine Alliance wird außerdem die Vernetzung der Münchner Universitätsmedizin untereinander sowie mit dem Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (Helmholtz Munich) durch die Staatsregierung gefördert (mehr dazu im Abschnitt Hochschulforschung und Universitätsklinika).

Die Staatsregierung hat im Bereich der Gesundheitswissenschaften in den letzten Jahren neue Akzente gesetzt. Ein wichtiges Fundament bilden die Akademisierung der Pflege und der Hebammenkunde. Nach der vom Ministerrat beschlossenen Aufbauplanung wurden entsprechende primärqualifizierende Studienangebote an den bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HaW) und Technischen Hochschulen (TH), aber auch an den bayerischen Universitäten eingerichtet. Die Staatsregierung hat für diesen Aufbau die erforderlichen Mittel und Stellen bereitgestellt. Die HaW/TH haben ihr Profil in der anwendungsbezogenen Forschung auch auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften geschärft.

2023 hat Bayern zudem das Zukunftsprogramm "Highmed Agenda Bayern" ins Leben gerufen, mit dem eine neue Ära medizinischer Spitzenversorgung und translationaler Spitzenforschung im Freistaat eingeleitet wird. Die Highmed Agenda Bayern stützt sich dabei auf fünf zentrale Themenfelder in den Bereichen Fachkräfte (u.a. Aufbau von rund 2.700 neuen Medizinstudienplätzen an den Standorten Augsburg, Medizincampus Oberfranken und Medizincampus Niederbayern), Digitalisierung (Verbesserung der IT-Infrastruktur an den bayerischen Universitätsklinika sowie Etablierung einer Gesundheitsdateninfrastruktur unter dem Namen Bavarian Health Cloud), Bau (Investitionen des Freistaats im Milliardenbereich für Bauvorhaben an den Bayerischen Universitätsklinika), Versorgung (Stärkung der Universitätsklinika für künftige Herausforderungen bspw. durch Einräumung der Bauherreneigenschaft sowie Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Gesundheitsforschung) und Kooperation (Unterstützung der Etablierung landesweiter Kooperations- und Netzwerkformate sowohl unter den Universitätsklinika als auch mit Plankrankenhäusern).

Hochschulforschung und Universitätsklinika

Universität Augsburg

Als jüngstes der sechs Bayerischen Universitätsklinika setzt die Universitätsmedizin Augsburg auf die Forschungsschwerpunkte Medizinische Informatik (Medical Information Sciences) und Umwelt und Gesundheit (Environmental Health Sciences). Sie greift damit bestehende Kompetenzen der Universität Augsburg wie Interdisziplinäre Gesundheitsforschung, Umweltforschung und Informatik auf. Klinische Profilzentren des Universitätsklinikums Augsburg (UKA) bilden insbesondere die Disziplinen Vaskuläre Medizin, Tumormedizin und Allergologie.

Neben Würzburg, Erlangen und Regensburg ist das UKA Teil der gemeinsamen Allianz der Comprehensive Cancer Center – WERA, die zusammen ein Versorgungsgebiet von acht Millionen Menschen abdeckt. Das CCC WERA wird durch die Deutsche Krebshilfe als „Onkologisches Spitzenzentrum“ gefördert. Augsburg steht in besonderem Maße für die personalisierte Krebsmedizin und Liquid Biopsy sowie die Patientenbeteiligung in der Konzeption von Forschungs- und Versorgungsvorhaben. 

Als Konsortialpartner im Konsortium DIFUTURE (Data Integration for Future Medicine) ist der Forschungsschwerpunkt Medical Information Sciences zusammen mit klinischen Partnern am UKA an der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) von 2018 bis 2026 geförderten Medizininformatik-Initiative beteiligt.

Die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg bildet die künftigen Ärztinnen und Ärzte in einem bayernweit einzigartigen Modellstudiengang aus. Der Modellcharakter zeigt sich vor allem darin, dass das Curriculum die integrierte Vermittlung von vorklinischen grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Inhalten umsetzt. Die Studierenden erhalten dadurch bereits zu einem frühen Zeitpunkt Einblicke in die medizinische Praxis und den Umgang mit Patientinnen und Patienten. Des Weiteren sind die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Universitätsmedizin in einem breit angelegten wissenschaftlichen Longitudinalkurs abgebildet und erlauben eine frühe wissenschaftsfundierte Ausbildung vom Beginn des Studiums an.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen

Die Universitätsmedizin Erlangen zeichnet sich durch die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung aus. Diese translationale Forschung gelingt durch vielfältige, fächerübergreifende Kooperationen. Die zentrale Lage im Medical Valley der Metropolregion Nürnberg bietet zudem ideale Voraussetzungen für enge Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie.

Fünf Forschungsschwerpunkte prägen die Medizinische Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg und das Universitätsklinikum Erlangen:

  • Infektionsforschung und Immunologie
  • Nieren- und Kreislaufforschung
  • Neurowissenschaften
  • Tumorforschung
  • und Medizin- und Gesundheitstechnologie

Das Comprehensive Cancer Center (CCC ER-EMN) verdeutlicht die Spitzenstellung der onkologischen Forschung und die schnelle Übertragung der Forschungsergebnisse in Therapie und Diagnostik. Es ist nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Die in der Medizintechnik betriebenen Entwicklungen und klinischen Applikationen erfolgen in enger Kooperation mit der Technischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU sowie mit der in der Metropolregion angesiedelten Industrie im Bereich der Medizintechnik. Von besonderer Bedeutung sind die Themen Augenheilkunde, bildgebende Diagnostik, intelligente Sensorik und Therapiesysteme.

Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Medizinische Fakultät der LMU und das LMU Klinikum gehören zu den forschungsstärksten Zentren der Hochschulmedizin in Europa. Gemeinsam sind sie häufig nationaler Spitzenreiter in internationalen Forschungsrankings und der einzige Standort, der alle acht Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung beherbergt (einschließlich zweier derzeit im Aufbau befindlicher Zentren, siehe unten unter „Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung“). Im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder stellt die Fakultät einen Exzellenzcluster. Klinikum und Fakultät sind Sprecher von mehreren Sonderforschungsbereichen und Transregios der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Gewinner von über einem Duzend Grants des European Research Council (ERC) und Mitglieder von zahlreichen weiteren nationalen und europäischen Forschungsprojekten, Netzwerken und Nachwuchsgruppen.

Es gibt sechs Forschungsschwerpunkte, die unter dem großen Thema "Biomedizin für Leben und Lebensqualität" zusammengefasst sind:

  • Molekulare Biomedizin,
  • Kampf gegen Krebs,
  • Entzündungen und Infektion,
  • Gefäß- und Transplantationsmedizin,
  • Neurowissenschaften sowie
  • Medizin für die Gesellschaft. 

 

Diese sechs thematischen Säulen sind durch zwei methodische Querschnittsbereiche verbunden:

  • Personalisierte Medizin:

Neue Technologien erweitern das Wissen über molekulare und zelluläre Prozesse rasant und tragen zum Verständnis von Gesundheit und Krankheit bei. Die personalisierte Medizin will dieses Wissen für individualisierte Prävention, Diagnose und Therapie unter Berücksichtigung von individuellen biologischen Risikomarkern, genetischer Prädisposition, geschlechtsspezifischen Faktoren oder Lebensstilfaktoren einsetzen.

  • Digitale Medizin:

Die Zukunft der Medizin ist (auch) digital. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen versprechen ungeahnte Möglichkeiten patientenorientierter, personalisierter Diagnostik und Therapie. Im medizinischen Alltag werden digitale Datensätze in großer Menge aus klinischen Systemen und Prozeduren generiert, deren Potenzial enorm ist. An der Medizinischen Fakultät beschäftigen sich mehrere Einrichtungen und Arbeitsgruppen schon heute erfolgreich mit Digital Health, Maschinellem Lernen und verwandten Themen.

Technische Universität München

Die TUM School of Medicine and Health (TUM School MH)  und das TUM Klinikum  (Zusammenschluss des Klinikums rechts der Isar der TUM und des Deutschen Herzzentrums) erforschen Krankheitsmechanismen und neue Ansätze in personalisierter Prävention, Diagnose und Therapie. Sie führen sowohl präklinische als auch klinische Studien durch. Durch eine interdisziplinäre und integrative Herangehensweise gelingt die Verbindung zwischen theoretischer Forschung und praktischer Anwendung, die letztlich zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Lebensqualität der Gesellschaft beiträgt.

Die TUM School MH vereint die Disziplinen Medizin sowie Gesundheits- und Sportwissenschaften in drei Departments:

 

Die Forschungsschwerpunkte der TUM School MH sind in den folgenden Zentren gebündelt, deren Mitglieder sich innerhalb der Zentren aber auch übergreifend abstimmen: 

  • Center for Cancer Medicine
  • Center for Cardiovascular and Metabolic Health
  • Center for Digital Health and Technology
  • Center for Health and Medicine in Society
  • Center for Infection Immunity and Environmental Health
  • Center for Neuroscience

Zum 1. August 2024 erfolgte ein rechtlicher Zusammenschluss des Deutschen Herzzentrums München des Freistaats Bayern (DHM) mit dem Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Seitdem wird der Geschäftsbetrieb gemeinsam als Klinikum der Technischen Universität München fortgeführt. Dieser Zusammenschluss markiert einen bedeutenden Schritt für die medizinische Versorgung und Forschung in Bayern und legt den Grundstein für eine gemeinsame Medizinstrategie innerhalb des TUM Klinikums, um die Versorgung der Patienten eingebettet in Spitzenforschung weiter zu optimieren.

Stiftung M1 – Munich Medicine Alliance

Ebenfalls zum 1. August 2024 erfolgte im Rahmen der Änderung des Bayerischen Universitätsklinikagesetzes die Errichtung der „Stiftung M1 – Munich Medicine Alliance“ als rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts, um die medizinische Spitzenforschung und die Translation von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Patientenversorgung zu fördern. Ziel ist es, die interdisziplinären Schnittstellen zwischen Medizin, Technologie und Informatik weiter auszubauen und Wissen sowie Technologien effektiv in die Patientenversorgung zu integrieren.

Mit M1 hat der Freistaat Bayern eine strategische Allianz für die Spitzenmedizin in München gegründet: Die beiden Münchner Exzellenzuniversitäten und Universitätsklinika sowie das Helmholtz Zentrum München bündeln ihre Kräfte am Standort München und streben gemeinsame Infrastrukturen und Plattformen im Bereich Klinische Studien, Datenintegration und Förderung von Translationsprojekten an. Damit wird die bayerische Landeshauptstadt das stärkste Zentrum für Hochschulmedizin in Deutschland. Schon heute behandeln die Münchner Universitätsklinika jährlich mehr Patienten als irgendeine andere Universitätsmedizin in Deutschland. Die Allianz der medizinischen Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München, der Münchner Universitätsklinika und des Helmholtz Zentrums München unter einer Dachmarke sorgt dafür, dass der Medizinstandort sein Potential in Forschung und Krankenversorgung noch besser ausschöpfen kann und international noch sichtbarer wird.

Universität Regensburg

Der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg und dem Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist es gelungen, sich nach der Gründung innerhalb kurzer Zeit einen sehr guten Ruf als medizinische Forschungsstätte zu erwerben. Die Fakultät konzentriert sich mit ihrem Universitätsklinikum auf die Forschungsschwerpunkte

  • Immuntherapie
  • Transplantationsmedizin
  • Tumorforschung
  • Kardiovaskuläre Medizin.

Das University Cancer Center Regensburg (UCCR) garantiert Krebspatientinnen und -patienten modernste Diagnostik und Therapie. Darüber hinaus verbindet es mit einem interdisziplinären Konzept Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung und klinische Studien. Ziel der translationalen Krebsforschung im Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO) ist es, die Erkenntnisse aus der präklinischen Grundlagenforschung effizient und zeitnah in den klinischen Betrieb zu übertragen. Im Schwerpunkt "Personalisierte Tumortherapie" werden in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) die charakteristischen und oft patientenspezifischen Therapieziele einer Krebserkrankung analysiert. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung neuer Therapieziele und einer Vorhersage des Therapieansprechens.

Zur Förderung der Spitzenforschung entsteht auf dem Campus des UKR der Forschungsbau „Center for Immunomedicine in Transplantation and Oncology“ (CITO), in dem Immunzell-Gewebe-Wechselwirkungen bei Blutstammzell- und Organtransplantationen sowie bei Tumorerkrankungen erforscht werden. Auf der Grundlage dieser Forschung sollen perspektivisch hocheffektive und zielgerichtete Immuntherapeutika für die Krebs- und Transplantationsmedizin entwickelt werden.

Das Herzzentrum Regensburg, ein Zusammenschluss mehrerer Kliniken, Abteilungen und Institute, unter der Leitung der Kardiologie und der Herz‐Thorax‐Chirurgie weist besondere Fachkompetenz sowohl in der Versorgung als auch in der Erforschung komplexer Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Charakterisiert ist die medizinische Forschung am Standort Regensburg insgesamt von ihrer besonderen Struktur: Universität und Universitätsklinikum befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, was die gewinnbringende Interaktion von naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern in vorklinischem und klinischem Teil des Studiums erleichtert. An den Kooperationskrankenhäusern tragen etablierte Lehrstühle zur Verflechtung der Strukturen in medizinischer Forschung und Krankenversorgung in der gesamten Region bei.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg.

 

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Würzburger Universitätsmedizin weist eine enge Verbindung von biomedizinischen Grundlagenwissenschaften und klinischer Forschung auf. Die interdisziplinären Forschungsthemen lassen sich in folgende drei wissenschaftliche Profilbereiche einteilen:

  • Zelluläre Heterogenität
  • Komplexität im Gewebe
  • System-/Netzwerkerkrankungen

Die Forschungsaktivitäten finden insbesondere an besonderen interdisziplinären Forschungszentren statt:

Sämtliche vorklinischen und klinisch-theoretischen Institute sowie alle Kliniken sind in diese Schwerpunkte eingebunden. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Forschungsverbünde.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg.

Technische Hochschule Aschaffenburg

Hochschule Neu-Ulm

Bayerische Forschungsverbünde und -netzwerke sowie bayerische Beteiligungen am nationalen „Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)“

Kooperative Gesundheitsforschung betreiben bzw. betrieben die Bayerischen Forschungsverbünde

 

Daneben bestehen folgende Forschungsnetzwerke:

Erstmalige Kooperation aller bayerischen Universitätsklinika und Medizinischen Fakultäten in Form einer dauerhaften Einrichtung der bayerischen Hochschulmedizin, die die Krebsforschung und -behandlung in Bayern auf ein international beachtetes Spitzenniveau heben und national eine Vorreiterrolle übernehmen soll. Hauptfokus des Zentrums ist der schnelle Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die breite klinische Praxis, d.h. eine schnellere Übertragung von Forschungsergebnissen in Diagnose- und Therapieoptionen (Translation).

Um sein medizinisches Fachwissen für alle Betroffenen einfach verfügbar zu machen, bietet das BZKF ein kostenfreies „BürgerTelefonKrebs“ an: Unter der Telefonnummer 0800 85 100 80 haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich unkompliziert und individuell zu allen Fragen bezüglich Krebserkrankungen beraten zu lassen. Alternativ kann dieser Service unter der Adresse buergertelefon@bzkf.de auch per E-Mail genutzt werden.

In Kooperation der sechs bayerischen medizinführenden Universitäten und dazugehörigen Universitätsklinika wurde – als Lehre aus der Corona-Pandemie – das „Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin“ (BZI) mit Geschäftsstellen in Würzburg und Erlangen aufgebaut. Ziel des Verbunds ist die bessere Prävention von Infektionserkrankungen, unter anderem durch die Schaffung einer exzellenten Datenbasis für Infektionsmonitoring, die Entwicklung von validierten Präventionsmaßnahmen und die Steigerung der Akzeptanz von Schutzimpfungen in der Bevölkerung. Neben der Früherkennung und Eindämmung von Erregern und der Impfstoffforschung widmet sich das BZI als Querschnittsaufgabe auch dem Aufbau eines Long-Covid-Registers als Grundlage für die Entwicklung neuer Ansätze zur Behandlung von Betroffenen. Das BZI bündelt damit die infektionsmedizinische Kompetenz an den bayerischen Standorten für Hochschulmedizin. Angestrebt wird eine enge Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung sowie eine enge Vernetzung mit dem öffentlichen Gesundheitswesen.

In dem „Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)“ arbeiten alle Universitätsklinika in Deutschland zusammen. Alle bayerischen Universitätsklinika sind seit dessen Etablierung im April 2020 im Zuge der Corona-Pandemie Teil des Netzwerkes. Durch den erstmaligen Zusammenschluss aller Standorte der Universitätsmedizin in Deutschland zu einem Forschungsnetzwerk konnte die Versorgung der COVID-19 Patientinnen und Patienten nachhaltig verbessert werden. An den einzelnen Standorten der Universitätsmedizin wurden im NUM essentielle Forschungsinfrastrukturen aufgebaut, mit denen gemeinsame klinische Forschung und die gemeinsame Erhebung und Nutzung komplexer medizinischer Forschungs- und Versorgungsdaten rechtssicher und datenschutzkonform möglich ist. Ergebnisse gemeinsamer klinischer Forschungsprojekte im Rahmen des Netzwerks fließen unmittelbar in die Versorgung ein.

Angesichts seiner erfolgreichen Arbeit einigten sich Bund und Länder im Februar 2026 darauf, das NUM als überregionale und einrichtungsübergreifende Forschungsinfrastruktur- und Koordinationsplattform mit dem Ziel einer intensiven Vernetzung fortzusetzen und zu verstetigen. Das Netzwerk setzt sich zusammen aus den einzelnen Standorten der Universitätsmedizin mit den lokalen Stabsstellen vor Ort (Netzwerkpartner) sowie der NUM GmbH mit einer koordinierenden Geschäftsstelle und Sitz in Berlin.

Zentrale Ziele des Netzwerks sind Aufbau und Vorhaltung eines bundesweiten Studien- und Datenraums sowie von Forschungsinfrastrukturen für die klinische Forschung, die Vernetzung dezentraler Biobank-Strukturen zu einer leistungsfähigen Nationalen Biobanken Plattform, die Durchführung standortübergreifender Forschungsprojekte und die Vorbereitung der klinischen Forschung auf künftige Pandemien und andere große Krisen der öffentlichen Gesundheit. Mit seinen in der Regel dezentral und möglichst offen angelegten Forschungsinfrastrukturen soll das NUM dazu beitragen, die Attraktivität Deutschlands als Standort für die Initiierung und Durchführung klinischer Studien sowie die Resilienz in Bezug auf Gesundheitskrisen zu erhöhen.

 

  • BayWISS Verbundkolleg Gesundheit

Das Verbundkolleg "Gesundheit" beim Bayerischen Wissenschaftsforum (BayWISS) vernetzt Forscherinnen und Forscher in Bayern über Hochschularten hinweg und bietet eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Vorhaben. Aktuell sind am Verbundkolleg Gesundheit 10 Universitäten, 14 HAW und eine Kunsthochschule beteiligt, die momentan knapp 80 Promovierende betreuen und bereits 40 gemeinsam getragene Promotionsverfahren erfolgreich durchgeführt haben (Stand Januar 2026).

Das Forschungsfeld des Verbundkollegs deckt thematisch ein breites Spektrum ab. Dieses reicht von der Gesundheitsprävention über Gesundheitsmanagement und -ökonomie, bis hin zur Pflege und Rehabilitation. Neben seinen naturwissenschaftlichen Themenschwerpunkten im Bereich der Medizintechnik, der Medizininformatik, der Biomedizin sowie der Materialien und Wirkstoffe fokussiert das Kolleg auch medizinethische und rechtliche Fragen. Das Verbundkolleg liefert auf diese Weise innovative und anwendungsorientierte Lösungen für den Gesundheitsstandort Bayern und darüber hinaus.

 

 

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (Helmholtz Munich)

Das Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (Helmholtz Munich) erforscht, wie Volkskrankheiten im Kontext von Umweltfaktoren, Lebensstil und individueller genetischer Disposition entstehen. Dabei werden neue Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie entwickelt. Schwerpunkte liegen auf Diabetes mellitus, Lungenerkrankungen und Allergien.

Basis der Arbeit ist die Grundlagenforschung in den Instituten und wissenschaftlichen Abteilungen, die regelmäßig international begutachtet werden. Als wissenschaftlich-technische Infrastruktur stehen dafür zentrale Technologieplattformen auf höchstem Niveau zur Verfügung. Durch intensive Zusammenarbeit mit den Universitätsklinika und mit den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung können wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die medizinische Praxis einfließen und den Patienten zugutekommen.

Das Helmholtz Munich ist eine Forschungseinrichtung des Bundes und des Freistaats Bayern; es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung Würzburg (HIRI)

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung Würzburg (HIRI) erforscht Mechanismen bakterieller und viraler Krankheitserreger, um innovative therapeutische Ansätze zu entwickeln und menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Zunehmende Antibiotika-Resistenzen, chronische Infektionen und neu auftretende Krankheitserreger sind große Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Einen neuen Ansatzpunkt bieten Ribonukleinsäuren (RNA). Ähnlich aufgebaut wie die DNA, ist die RNA von zentraler Wichtigkeit bei der Produktion von Eiweißen im Körper. Während in den letzten Jahren die Bedeutung von RNA in regulatorischen und sensorischen Zellprozessen deutlich wurde, ist ihre Rolle bei Infektionsprozessen weitgehend unverstanden. Dank interdisziplinärer Expertise und modernster Infrastruktur wird am HIRI das große Potential von RNA für die Diagnostik und Behandlung von Infektionskrankheiten nutzbar gemacht.

Max-Planck-Institute in Martinsried und München

Die beiden Max-Planck-Institute für biologische Intelligenz und für Biochemie bilden die Säulen des Life Science Campus in Martinsried. Am MPI für biologische Intelligenz, das 2023 aus den beiden MPI für Neurobiologie und für Ornithologie (mit seiner Außenstelle Seewiesen) hervorgegangen ist, werden die grundlegenden Funktionen, der Aufbau und die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems bis hin zu den Ursachen von Erkrankungen untersucht. Das MPI für Biochemie betreibt mit neuesten molekularbiologischen Methoden Spitzenforschung auf dem Gebiet der Biomedizin und eröffnet damit vielversprechende Möglichkeiten bei der Erforschung von Krankheitsursachen und der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieansätze.

Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München verbindet Grundlagenforschung, klinische Forschung und Patientenversorgung im Bereich der Psychiatrie und Neurologie. Depression und Angsterkrankungen bilden den Schwerpunkt der Forschung und der klinischen Behandlungsangebote.

Max-Planck-Forschungsgruppe "Systemimmunologie" in Würzburg

Mit Beiträgen der Max-Planck-Gesellschaft, des Freistaats und der Universität wurde an der Universität Würzburg die Max-Planck-Forschungsgruppe "Systemimmunologie" gegründet mit dem Ziel, exzellente immunologische Forschung zu fördern. Ganzheitlich und auf mehreren Ebenen werden Entwicklung und Funktion des Immunsystems sowie seine Wechselwirkungen mit anderen Organsystemen untersucht.

Leibniz-Institut für Immuntherapie (LIT)

Das Leibniz-Institut für Immuntherapie (LIT) wurde als jüngstes bayerisches Leibniz-Institut 2022 in die Bund-Länder-Förderung der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Es widmet sich der Entwicklung und klinischen Erprobung neuer zellulärer Immuntherapien zur Behandlung von Krebs, chronischen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen. Das LIT kombiniert dafür systematisch immunologische Grundlagenforschung mit translationaler Forschung, um gezielt ausgewählte Immunzellen mithilfe der synthetischen Biologie und gentechnischer Ansätze mit optimalen therapeutischen Eigenschaften auszustatten. Das Institut verfügt über moderne Infrastrukturen zur Vorbereitung klinischer Testungen, darunter das José-Carreras-Centrum für somatische Zelltherapie, eine hochmoderne Einrichtung, die auf die pharmazeutische Entwicklung und GMP-konforme Produktion von Zelltherapeutika spezialisiert ist.

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

In den bundesweit angesiedelten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) suchen die besten deutschen Forschungseinrichtungen im jeweiligen Fachgebiet nach neuen Erkenntnissen über die wichtigsten Volkskrankheiten. Ziel aller Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung ist es, die Forschungsergebnisse schnell zur Anwendung beim Patienten zu bringen (Translation).

An allen sechs Zentren sind das Helmholtz-Zentrum München (Helmholtz Munich) beziehungsweise die Medizinischen Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München beteiligt. Das Helmholtz Munich ist Kernzentrum für das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung.

 

Neben den sechs etablierten Zentren befinden sich derzeit zwei Zentren im Aufbau: Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ)  sowie das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG), an dem neben den beiden Münchener Universitäten und Helmholtz Munich auch die Universität Augsburg beteiligt ist. 

NAKO Gesundheitsstudie

Mit der "NAKO Gesundheitsstudie" betreibt ein Netzwerk deutscher Forschungseinrichtungen seit 2014 den Aufbau einer Langzeit-Bevölkerungsstudie mit 205.000 zufällig ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der gesamten Bevölkerung. Ziel der Langzeit-Bevölkerungsstudie ist es, die Ursachen und Risikofaktoren der wichtigsten Volkskrankheiten aufzuklären. Zudem werden Wege einer wirksamen Vorbeugung und neue Möglichkeiten der Früherkennung gesucht. Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit dem Helmholtz-Zentrum München (Helmholtz Munich), den Universitätsklinika in Augsburg und Regensburg sowie der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) maßgeblich an der NAKO Gesundheitsstudie: An den NAKO Studienzentren Augsburg und Regensburg werden standardisierte medizinische Untersuchungen und MRT-Untersuchungen durchgeführt. Helmholtz Munich steuert das Studienzentrum Augsburg wissenschaftlich und betreibt auf seinem Gelände in München die zentrale Biomaterialbank der Studie. Mit den beiden Studienzentren in Augsburg und Regensburg stammen 30.000 der rekrutierten Probadinnen und Probanden der NAKO-Gesundheitsstudie aus Bayern.

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